Corporate Design10 min Lesezeit

7 häufige Corporate Design Fehler

Diese Designfehler machen selbst gute Unternehmen unprofessionell. Lernen Sie, wie Sie sie vermeiden und stattdessen eine starke visuelle Identität aufbauen.

Roman Stalder

7 häufige Corporate Design Fehler, die Ihr Unternehmen unprofessionell wirken lassen

In über 30 Jahren als Grafikdesigner habe ich hunderte Unternehmen beim Aufbau ihrer visuellen Identität begleitet. Dabei begegne ich immer wieder denselben Fehlern – Fehler, die selbst exzellente Unternehmen unprofessionell wirken lassen.

Die gute Nachricht: Diese Fehler sind vermeidbar. In diesem Artikel zeige ich Ihnen die 7 häufigsten Corporate Design Fehler und wie Sie sie vermeiden.

Fehler #1: Kein einheitliches Logo verwenden

Das Problem

Ich sehe es ständig: Auf der Website verwendet ein Unternehmen Version A des Logos, auf den Visitenkarten Version B, und auf Social Media eine komplett andere Variante. Manchmal sogar mit unterschiedlichen Farben, Proportionen oder Schriftarten.

Warum das schadet

  • Kunden können Ihre Marke nicht wiedererkennen
  • Es wirkt unprofessionell und chaotisch
  • Vertrauen geht verloren

Die Lösung

Ein Logo, viele Varianten:

  • Definieren Sie EINE Hauptversion Ihres Logos
  • Erstellen Sie offizielle Varianten für spezielle Anwendungen:
    • Vollfarbe (für weißen Hintergrund)
    • Weisse Version (für dunkle Hintergründe)
    • Schwarze Version (für Schwarz/Weiss-Druck)
    • Kompaktversion (für kleine Formate wie App-Icons)

Erstellen Sie ein Logo-Manual: Dokumentieren Sie, wann welche Version verwendet wird. Ihr Logo-Manual sollte enthalten:

  • Alle offiziellen Logo-Varianten
  • Mindestabstände und Schutzräume
  • DO's and DON'Ts
  • Beispiele für korrekte Anwendung

Fehler #2: Zu viele Schriftarten verwenden

Das Problem

"Wir verwenden Arial für die Website, Times New Roman für Dokumente, Comic Sans für PowerPoint..." STOP!

Ich sehe regelmäßig Unternehmen, die 5-10 verschiedene Schriftarten parallel verwenden. Das wirkt chaotisch und unprofessionell.

Die Regel

Maximum 2-3 Schriftarten:

  • 1 Schrift für Headlines (kann charaktervoll sein)
  • 1 Schrift für Fließtext (muss gut lesbar sein)
  • Optional: 1 Akzentschrift für besondere Anlässe

Beispiel Schrift-Hierarchie

Headline: Montserrat Bold (groß, auffällig)
Subheadline: Montserrat Regular (mittel)
Fließtext: Open Sans Regular (gut lesbar)

Die Lösung

  1. Wählen Sie 2 Schriften, die gut harmonieren
  2. Definieren Sie klare Anwendungsfälle
  3. Dokumentieren Sie diese in Ihren Brand Guidelines
  4. Kommunizieren Sie dies ans gesamte Team

Fehler #3: Inkonsistente Farbverwendung

Das Problem

Ihr Brand-Blau sieht auf der Website anders aus als auf den Visitenkarten, und auf Instagram wieder anders. Manchmal wird es mit Grün kombiniert, manchmal mit Rot.

Warum das passiert

  • RGB vs. CMYK Unterschiede nicht beachtet
  • Keine definierten Farbcodes
  • Keine Guidelines für Farbkombinationen

Die Lösung

Definieren Sie Ihr Farbsystem:

Primärfarben (2-3 Farben):

  • Hauptfarbe (z.B. Ihr Brand-Blau)
  • Ergänzungsfarbe (z.B. ein Grau-Ton)

Sekundärfarben (2-4 Farben):

  • Für Akzente und besondere Anwendungen

Für jede Farbe definieren:

  • Pantone (für Druck)
  • CMYK (für Offsetdruck)
  • RGB (für Bildschirme)
  • HEX (für Web)

Beispiel:

Primärblau:
- Pantone: 2945 C
- CMYK: 100/50/0/0
- RGB: 0/114/206
- HEX: #0072CE

Fehler #4: Pixelige oder falsch formatierte Logos

Das Problem

Das Logo wird von der Website kopiert (72 dpi JPG), auf Photoshop vergrößert und dann für einen Messestand verwendet. Resultat: Verpixeltes Disaster.

Warum das ein Dealbreaker ist

Ein pixeliges Logo schreit "unprofessionell" und "billig" – auch wenn Ihr Unternehmen exzellent ist.

Die Lösung

Sie brauchen Ihr Logo in verschiedenen Formaten:

Vektordateien (skalierbar ohne Qualitätsverlust):

  • .AI (Adobe Illustrator) - Originalformat
  • .EPS - Universell für Druckereien
  • .SVG - Für Web und moderne Anwendungen

Pixelformate (für spezifische Anwendungen):

  • .PNG (transparent) - Für Web, Social Media
  • .JPG - Für E-Mail, wenn Dateigröße wichtig ist
  • .PDF - Für Dokumente und Präsentationen

Regel: Arbeiten Sie immer mit Vektordateien, wenn Sie das Logo platzieren. Exportieren Sie dann für die spezifische Anwendung.

Fehler #5: Keine Design-Guidelines

Das Problem

Jeder Mitarbeiter macht sein eigenes Ding. Die Marketing-Managerin erstellt Flyer mit eigenen Schriften, der Sales-Manager macht PowerPoints in anderen Farben, und die Social-Media-Verantwortliche nutzt komplett andere Bildstile.

Warum das fatal ist

Ohne Guidelines gibt es keine konsistente Marke. Und ohne konsistente Marke kein Wiedererkennungswert.

Die Lösung

Erstellen Sie ein Corporate Design Manual:

Minimum-Inhalt:

  1. Logo-Guidelines (Versionen, Anwendung, DON'Ts)
  2. Farbsystem (alle Codes)
  3. Typografie (Schriften, Hierarchien)
  4. Bildsprache (Stil, Beispiele)
  5. Anwendungsbeispiele (Visitenkarten, Briefpapier, etc.)

Bonus-Inhalt:

  • Icon-Stil
  • Grafikelemente
  • Tonalität in Texten
  • Social Media Guidelines

Wichtig: Das Manual muss für alle zugänglich sein und tatsächlich verwendet werden!

Fehler #6: Templates von der Stange

Das Problem

"Wir haben eine PowerPoint-Vorlage aus dem Internet heruntergeladen und einfach unser Logo eingefügt."

Das Problem: Es sieht aus wie von der Stange. Weil es von der Stange ist.

Die Lösung

Investieren Sie in professionelle, markenkonforme Templates:

PowerPoint/Keynote:

  • Mit Ihren Farben
  • Mit Ihren Schriften
  • Mit markentypischen Elementen
  • Verschiedene Layout-Varianten

Word/Pages:

  • Briefpapier-Template
  • Dokument-Templates
  • Angebots-Templates

Canva/Social Media:

  • Templates für Posts
  • Templates für Stories
  • Templates für Anzeigen

Diese Investition zahlt sich aus: Jeder im Team kann professionelle Materialien erstellen, die Ihre Marke stärken statt schwächen.

Fehler #7: Das Logo auf alles pressen

Das Problem

"Das Logo MUSS in die Ecke, egal wie klein es wird!" Das Resultat: Ein unleserliches Pixelhäufchen, das mehr schadet als nützt.

Die Regel: Weniger ist mehr

Ihr Logo braucht:

  • Schutzraum: Mindestabstand zu anderen Elementen
  • Mindestgröße: Unter einer bestimmten Größe wird's unleserlich
  • Kontrast: Genug Kontrast zum Hintergrund

Manchmal ist es besser...

...das Logo ganz wegzulassen als es schlecht zu platzieren. Lieber eine subtile Brand-Präsenz durch Farben und Typografie als ein unleserliches Logo.

Die Lösung

In Ihrem Logo-Manual definieren:

  • Minimale Größe in mm (Print) und px (Digital)
  • Erforderlicher Schutzraum (oft: Höhe des Logos x 0,5)
  • Beispiele für gute und schlechte Platzierung

Der größte Fehler von allen: Nichts tun

Der größte Corporate Design Fehler ist, gar kein einheitliches Corporate Design zu haben.

Viele Unternehmen denken: "Wir sind zu klein für Corporate Design" oder "Das können wir später machen". Falsch!

Die Wahrheit:

  • Corporate Design ist nicht optional – Sie haben es bereits (gut oder schlecht)
  • Je früher Sie es professionell aufbauen, desto stärker Ihre Marke
  • Konsistenz schafft Vertrauen, Vertrauen schafft Kunden

Ihr nächster Schritt

Durchleuchten Sie Ihre aktuelle visuelle Identität:

  1. Welche der 7 Fehler machen Sie?
  2. Was sind die dringendsten Probleme?
  3. Was können Sie sofort verbessern?

Oder noch besser: Lassen Sie uns gemeinsam Ihr Corporate Design professionell aufsetzen. Kontaktieren Sie mich für eine unverbindliche Erstberatung.

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Über den Autor: Roman Stalder entwickelt seit über 30 Jahren Corporate Designs für Schweizer Unternehmen. Als Inhaber von Tell Grafikatelier hat er hunderte KMU beim Aufbau starker visueller Identitäten begleitet.

Über den Autor

Roman Stalder ist Inhaber von Tell Grafikatelier Stalder und entwickelt seit über 30 Jahren professionelle Logos und Corporate Designs für Schweizer Unternehmen.

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